Interview mit Oliver

zweiteroktober90: Hallo Oliver, schön, dass wir ein Interview mit dir machen können. Es geht um den Angriff auf die Kötschauer Mühle am 2. Oktober 1990, und ich würde gerne erstmal von dir wissen: Wie habt ihr euch denn damals als Gruppe gefunden? Und wie ist es dazu gekommen, dass ihr euch in der Kötschauer Mühle getroffen und diese zum besetzten Haus erklärt habt? 

Oliver: Also angefangen hat das aus meiner Sicht, als damals die PDS für Jugendliche einen Keller zur Verfügung gestellt hat. Da bin ich irgendwann mit hingegangen. Wir sind da aber relativ schnell wieder rausgeflogen, weil es Unstimmigkeiten über Ordnung, Sauberkeit und Benutzung gab. Ich denke, das war im März 1990. Wir blieben dann als Gruppe aber weiter bestehen, indem wir uns irgendwie draußen getroffen haben. Es gab dann ein paar Mal die Idee, Häuser in Zerbst zu besetzen – es gab ja etliche leerstehende. Das haben wir dann auch getan und hatten dann, glaube ich, erstmal ein altes Postgebäude, ziemlich zentral in der Stadt. Das war ein Abrissgebäude, in dem wir uns im Prinzip eigentlich nur aufgehalten haben. Das, was ich heute unter Hausbesetzung verstehe, ist schon etwas Anderes, also mit einem Infoladen, mit Café, Möglichkeiten für Veranstaltungen, Wohnmöglichkeiten oder so etwas. Das war aber bei uns nicht im Ansatz da. Wir haben uns halt einfach dort getroffen, und wir hatten auch dort schon ein paar Mal Stress mit irgendwelchen Faschos. Ich weiß gar nicht mehr, warum wir da raus sind und ob da irgendwann die Polizei kam oder Faschos alles zerstörten oder Feuer legten oder wir keinen Bock mehr darauf hatten. Jedenfalls hatte später irgendjemand den Vorschlag gemacht, die Ketschauer Mühle, ein großes Haus, schön weit außerhalb, wo uns vielleicht auch nicht jeder gleich mitkriegt, zu besetzen. Und dann sind wir da hingegangen. Das war also auch ein leerstehendes Haus, keine Fenster, genauso ein Abrisshaus. Eine Decke war zwar irgendwo eingestürzt, das weiß ich noch, aber der Rest war begehbar. Ja, und dann haben wir das sozusagen für uns als besetzt erklärt und uns da jeden Nachmittag getroffen bis in den frühen Abend rein. Wie gesagt, wir waren so 13 bis 19 Jahre alt, der überwiegende Teil 15/16. Dementsprechend mussten wir dann auch irgendwann nach Hause, weil ja am nächsten Tag oft Schule war. Ich habe aufgrund der Zeitungsartikel, die ich damals gesammelt habe, irgendwann mal rekonstruiert, dass es, seit wir das besetzt hatten – was nicht lange „geheim“ geblieben ist – im Durchschnitt jeden dritten Tag zu einem Angriff auf das Haus kam.

Das hatte ganz unterschiedliche Dimensionen. Es gab tatsächlich die Situation, in der einer allein mit einem Moped ankam, sich da unten vor das Haus gestellt hat und rumgepöbelt und provoziert hat. Zu Beginn wurde natürlich geantwortet und irgendwann sind dann auch Leute raus gegangen. Dann fuhr er mit seinem Moped weg, und wenn alle wieder im Haus waren, stand er wieder da und brüllte rum. Ihn zu ignorieren war auch nicht erfolgreich. Er war einfach nur nervig. Das war aber tatsächlich nicht oft. Meist kamen sie mit einer größeren Gruppe. Die Faschos waren ja im Durchschnitt um einiges älter. Ich würde einschätzen, dass bei Ihnen viele um die 20 waren. Das war so eine eigenartige Melange von Leuten in unserem Alter bis hin zu einigen, die schon um die 30 Jahre alt waren. Sie parkten ihre Autos dann in einiger Entfernung und griffen dann in aller Seelenruhe das Haus an. An den Wochenenden kamen sie dann auch schonmal mit bis zu 60, 70, 80 Leuten. Irgendwo in den Artikeln steht auch drin, wie oft die Feuerwehr kam, ich glaube sechs Mal. Und das von Mitte August bis Anfang Oktober! Das sind ja im Prinzip nicht mehr als sechs oder sieben Wochen. Etliche Brände zwischendurch haben wir auch selber gelöscht. Es hat also nicht nur gebrannt, wenn die Feuerwehr kommen musste.

Es war schon so, dass wir uns über den Schutz des ganzen Hauses Gedanken gemacht haben, so dass die Nazis halt nicht so einfach reinkommen können. Wir haben da verschiedene Sachen ausprobiert, alles verbarrikadiert und mit Strickleiter in die zweite Etage klettern usw. Einiges davon war aber auch nicht alltagstauglich. Schlussendlich haben wir den ganzen ersten Stock zugeschüttet mit Müll, Holz und allem Möglichen, was nachher logischerweise ein ganz schöner Zunder für den 2. Oktober war. Ja und dann hat sich das für den 2. Oktober alles zugespitzt. Es war eine skurrile Situation, weil es ja vorher in der Zeitung stand, dass da etwas passiert. Und völlig unfassbar war die Aussage der Polizei in der Zeitung, dass sie sich außerstande sieht, bei den zu erwartenden Auseinandersetzungen einzugreifen. Ich weiß noch, dass ich, als ich das am 2. Oktober in der Zeitung gelesen habe, echt gedacht habe, dass da jetzt also jeder kommen kann, der Bock hat und weiß, es passiert gar nichts, weil die Polizei sich außerstande sieht, was zu machen. Und ich hatte im Umgang mit Polizei mit 15 echt noch nicht viel am Hut, aber das war eine Bankrotterklärung von Seiten der Behörden. Heute undenkbar.

Ja, und dann haben wir schon überlegt, ob wir überhaupt zur Mühle gehen. Wir sind dann aber gegangen. 17 Leute haben den Abend dann vollständig erlebt. Es gab auch noch solche Situationen, dass einer von uns von seiner Mutter und seiner Schwester, die tierisch geschimpft haben, abgeholt und nach Hause gebracht wurde. Wie gesagt, wir waren fast alle ja noch sehr jung, also wahrscheinlich auch ein nachvollziehbares Verhalten, wenn es dann schon in der Zeitung steht. Wir hatten uns auf den Abend auch vorbereitet, unter anderem natürlich auch mit Bier. Wir haben dann eigentlich nichts weiter gemacht, außer zusammen diesen, für uns nicht ganz so sympathischen Tag mit seinem Ereignis der Vereinigung, auf unsere Weise zu begehen. Als es dunkel wurde, haben wir dann angefangen Ausschau zu halten, weil wir es ja gewohnt waren, dass Faschos kamen, die angreifen wollten. Einige standen dann eben wie gewöhnlich auf dem Dach oder in den oberen Etagen und haben geguckt, ob da irgendwer kommt.

Irgendwann war dann eine Gruppe von ca. 200 Menschen auszumachen, die aus Richtung des Stadtteils Ankuhn kam. Und ab da ging alles recht schnell. Es gab nicht viele Wortgefechte vorher. Es wurden von beiden Seiten Raketen geschossen, Mollis flogen und unheimlich viele Steine. Wir hatten gegenüber eine kleine Scheune oder sowas ähnliches, wo sich dann ganz viele von denen hinter versteckt haben, so dass sie außer Reichweite unserer Geschosse waren. Die sozusagen ganz „mutigen“ Faschos, die sind immer wieder irgendwo lang gekommen, haben angegriffen und wollten ins Haus. Auch Morddrohungen waren ganz viel zu hören. Ich weiß noch, als der ganze Quatsch bestimmt schon eine Stunde im Gange war und permanent irgendwas geworfen und geschossen wurde, kamen Faschos mit einer Tür, die sie draußen irgendwo her hatten, über den Köpfen – also wie bei Asterix und Obelix – und wollten zum Haus, weil sie wussten oder gesehen hatten, dass die Räume in der untersten Etage in dem Haus leer sind. Wir hatten nur die Flure verbarrikadiert. Die haben halt versucht reinzukommen und wir haben natürlich mit allem Möglichen versucht, alle vier Seiten abzudecken, damit sie nicht reinkommen. Irgendwann waren sie dann unten drin. Wie ich später gehört habe, waren die da auch öfter drin und sind wieder raus und wieder rein. Das habe ich aber so nicht mitgekriegt. Irgendwann hatten sie es dann geschafft, dass es in einem der Flure da unten brannte.

Wir sind zu dritt da runter, nahmen von unserem Biervorrat etliches mit, da es ja kein Wasser in dem Haus gab. Wir hatten einen Türrahmen mit Stacheldraht zugemacht. Dahinter war der Flur, der voll lag mit Geröll und vor allem mit Holz. Oben im Türrahmen war eine Lücke von vielleicht 50 cm, wo wir dann vom Treppenhaus aus zu zweit rein sind und der Dritte uns die Bierflaschen reingereicht hat. Es qualmte schon, so dass man in diesem Flur schon echt nichts mehr gesehen hat, außer diesen Feuerschein vom Brand. Wir sind dann da also zu zweit rein, haben die Biere geköpft und haben es dann auch geschafft, das erste Feuer auszumachen. Da ist mir noch ganz eindrücklich im Gedächtnis, dass ich zu dem anderen kurz vor Schluss gesagt habe: „Das ist nur noch wenig. Ich schütte noch zwei Bier drauf. Kletter du schon mal vor!“ Es war ja dunkel, es war verraucht, wir waren ziemlich fertig. Dorthin zu krabbeln und über den Stacheldraht drüber zu gehen, ist ziemlich schwierig gewesen. Und da hab ich eben gesagt, dass er schon mal vorgehen soll, dass ich dann später flüssiger raus kann und es nicht so lange dauert, als wenn wir uns da zu zweit stauen. Dann ist er los, und ich habe die zwei Bier noch draufgeschüttet und bin dann hinterher und habe den, der draußen im Treppenflur gewartet hat, gefragt, ob er schon draußen ist. Der draußen sagt „Nö“ und in dem Moment trete ich auf ihn drauf. Also ich war ja gebückt auf allen Vieren unterwegs und merkte dann, dass ich mit der Hand oder dem Knie auf was Weiches komme und da lag der da schon, wahrscheinlich bewusstlos, Rauchvergiftung oder irgendwas. Ich habe ihn dann mit der Hilfe des Anderen über den Stacheldraht gezogen und bin danach selber raus. Dann haben wir versucht, ihn mit Frischluft wieder auf die Beine zu bekommen, was zum Glück auch funktioniert hat.

Einige Zeit später hat es dann wieder gebrannt, und das Ganze ging von vorn los. Wir haben dann aber mitbekommen, dass es nicht mehr zu löschen ist. Dadurch, dass das ja alles so aufgeschüttet war, haben wir einige Glutnester nicht mehr löschen können. Sie waren zu weit unten und wir kamen mit dem Bier nicht mehr dorthin. Auf jeden Fall war der zweite Brand nicht mehr zu löschen. Wir sind dann wieder raus, sind hoch gegangen und haben den Leuten Bescheid gesagt. Da hat das aber noch niemand so richtig ernst genommen, weil es oben alles noch nicht so verraucht war. Es gab zwar schon Rauchschwaden, aber nur im Treppenhaus war alles voller Rauch, und die Leute standen an den Fenstern in den Wohnungen.

Irgendwann wurde der Qualm dann immer bissiger und wir sind alle aufs Dach. Nicht alle, einer nicht. Der war auf der anderen Seite des Hauses und wurde später auch von dort gerettet.

Es waren dann also fast alle oben auf dem Giebel. Dort gab es dann wieder einige skurrile Situationen. So hatte z.B. noch irgendwer Zigaretten, die verteilt wurden. Niemand hatte aber Feuer. Das waren dann Gespräche wie: „Ey, hat einer Feuer?“, „Nee.“, „Ich auch nicht.“, „Ich auch nicht.“, „Hm, super, kann mal einer in die zweite Etage und das Feuer holen?“ Dabei kamen die Flammen schon um die Dachrinnen herum.

In dieser Situation da oben haben die Leute auch sehr unterschiedlich reagiert. Von panisch ängstlich bis völlig ruhig. Auf dem Dach haben wir uns dann auf den Laufrost des Schornsteinfegers gesetzt und der Dinge geharrt, die da kamen. Ein paar haben überlegt, ob man in den angrenzenden Baum springen kann, aber das war auch nicht wirklich eine Option. Dann kam die Feuerwehr und war erst auf der anderen Seite des Hauses mit ihrem Luftkissen beschäftigt, was ich ja erst später verstanden habe. Sie haben erstmal die einzelne Person gerettet. Kommunikation war von der Feuerwehr aus natürlich auch schwierig. Als dann das Luftkissen, das für eine Höhe von fünf Metern zugelassen war, auf unserer Seite aufgebaut war, konnten wir dann aus achtzehn Metern Höhe springen. Ich weiß noch, dass ich damals da oben ziemlich ruhig war. Ich habe mich irgendwann an die Giebelkante gewagt um zu gucken, was die Feuerwehr da unten macht.

Wir haben dann überlegt, wie wir das machen wollen, so dass niemand zurückbleibt. Nicht, dass zum Schluss nachher noch einzelne Leute oben sind, die aus Panik nicht den Mut haben zu springen, und auch niemand mehr oben ist, der ihnen Mut macht. Nicht auszudenken. Jetzt im Nachhinein, ist es schon cool, dass wir das in dieser Situation tatsächlich so hinbekommen haben.

Ich stand dann da vorne am Giebelende und habe mir gedacht: „Ich will nicht sehen, wie die Leute da runterspringen und was dann passiert. Ich glaube, da krieg ich noch mehr Schiss. Ich springe als erstes.“ Ich weiß nur, dass ich dann vorne blieb und mir gesagt hab: „Scheiß drauf, dann spring‘ ich halt als erstes.“ Wir haben dann noch überlegt, wie es das Günstigste ist, auf dem Luftkissen aufzukommen. Zu weit an eine Seite hieße ja, auf der anderen Seite rausgeschleudert zu werden. Wenn wir wieder gegen das Haus geschleudert werden würden, wäre das aufgrund der Fenster, aus denen stoßweise Flammen schossen, ziemlich ungünstig. Und dann sind wir gesprungen. Also wir sind alle auf diesem Luftkissen aufgekommen und danach nochmal geschätzt vier, fünf Meter in die Höhe geschleudert wurden und dann oft außerhalb dieses Luftkissens aufgekommen. Ich bin z.B. irgendwo in einem Strauch wieder zu mir gekommen. Ich weiß noch, dass ein Feuerwehrmann in voller Montur und Maske vor mir stand und ich gedacht hab: „Du bist tot. Die sehen hier komisch aus.“ Das war mein allererster Gedanke. Der zweite Gedanke war dann schon wieder klarer. Er hat mich dann aus dem Strauch rausgeholt. Ich habe gemerkt, dass ich keine größeren Verletzungen habe und dass ich mich bewegen kann. Ich bin dann zurückgegangen und habe an einem Haltegriff vom Luftkissen mit festgehalten, während die anderen sprangen. Einer ist auch gegen das Haus geschleudert wurden und dann an der Wand runter wieder auf das Luftkissen gerutscht. Ob ich da bis zum Schluss an diesem Sprungkissen stand, weiß ich nicht. Und dann war’s das eigentlich.

Die Faschos waren beim Eintreffen der Feuerwehr nach meiner Wahrnehmung alle weg. Es war gar keiner da, zumindest nicht sichtbar. Krass war, dass wir relativ viele dieser Leute, die uns angegriffen hatten kannten. Zerbst ist ja eine Kleinstadt, da blieb das nicht aus.

zweiteroktober90: Wie liefen dann die Gespräche? Unter euch oder mit diesen anderen, die euch angegriffen haben? Wurde überhaupt darüber geredet?

Oliver: Also es gab vor dem 3. Oktober, vor der Kötschauer Mühle auch etliche Überfälle und solche Aktionen. Ich habe damals in einem Verein, in einer Mannschaft gespielt, in der es auch Faschos gab. In dieser Mannschaft war ich seit Jahren. Dann kam die Wende und eine Polarisierung trat ein. Beim Sport war das aber 1990 kein Thema, es wurde von Seiten der Faschos kein Bedrohungsszenario aufgebaut. Skurril wie das gehen kann, dass vormittags gemeinsam mit einem Typen mit z.B. Irokesenschnitt ein Wettkampf bestritten wird, gemeinsam gewonnen oder verloren wird, und abends bekommt er genau dafür auf die Fresse. Es wurde also nicht thematisiert.

zweiteroktober90: Und das war nach dieser Nacht vom 2. Oktober auch so?

Oliver: Das war in meiner Erinnerung kein Thema. Da war ganz viel Leugnung. Die Übergriffe gingen ja nach dem 3. Oktober weiter, jahrelang. Thematisiert wurde da aus meiner Sicht nichts. Folgen gab es aus meiner Sicht auch nicht, dafür eine Farce von Gerichtsverhandlung, die keinerlei Auswirkungen hatte. Wie schon gesagt, wir kannten ja unheimlich viele Täter mit Namen und Adressen. Das interessierte nur niemanden. Die Geschehnisse der Nacht zum 3. Oktober wurden als Auseinandersetzungen unter Jugendlichen gewertet und damit vollständig entpolitisiert. Dabei war die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wie es heute so schön heißt, ganz klar gegeben und erkennbar.

zweiteroktober90: War euch denn klar, dass ihr da fast umgekommen seid, am nächsten Tag?

Oliver: Nee. Mir persönlich nicht wirklich. Das war … tja, was war das? Das waren die leider notwendigen Auseinandersetzungen mit Faschos. Das war einfach dieses Ding, „ich lauf da als z.B. Punk durch die Stadt und hab einfach das Recht auszusehen, wie ich will.“ Und „logischerweise“ gibt es Auseinandersetzungen, da es leider sehr viele Menschen (auch Erwachsene) anders gesehen haben und sie mittels Gewalt ihrer eingeschränkten Denkweise Ausdruck verliehen haben. Und dann war das halt eine davon. Also die Reflexion kam tatsächlich erst später und damit meine ich nicht einen Monat später.

zweiteroktober90: Habt ihr vorher schon mal darüber nachgedacht, die „blöde“ Mühle einfach die Mühle sein zu lassen? Oder was war das, weshalb ihr euch da dieser wahnsinnigen Gefahr ausgesetzt habt?

Oliver: Ich glaube, im Endeffekt war das völlig egal, wo wir uns aufhalten. Wir haben z.B. Partys zu Hause bei Leuten gefeiert, wenn die Eltern mal nicht da waren, zu zehnt oder zu zwölft. Die Faschos haben das mitgekriegt, und dann haben sie diesen Neubaublock angegriffen. In einem Neubaublock, der ja komplett aus Beton besteht, hat z.B. das Treppenhaus gebrannt. Völlig verrückt! Bei so viel Beton brennt ja nicht mal die Tapete, wenn da überhaupt Tapete dran ist im Hausflur. Und das Ding stand in Flammen. Nicht lange, weil ja da nichts brennt. Völlig verrückt! – Mich haben sie zusammengeprügelt, als ich aus meiner elterlichen Wohnung den Müll rausgebracht habe. Da war ich in Hauslatschen, mit zwei Eimern in der Hand, kipp‘ das in die Mülltonne, dreh‘ mich um und musste etwa zwanzig Meter zurücklaufen. Und dann sitzen die vor meiner Eingangstür. – „Rennst du jetzt weg mit Latschen?“ – Dann bin ich eben da durchgegangen und lag dann vor dem Neubaublock. Deswegen war das egal, wo du warst. Und dann kannst du eben auch zur Mühle gehen.

zweiteroktober90: Danke für das Interview.

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