Hamburg

In Hamburg rotteten sich 300 Neonazis und Hooligangs zusammen, um die besetzten Häuser in der Hafenstraße zu überfallen…

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In Hamburg rotteten sich 300 Neonazis und Hooligangs zusammen, um die besetzten Häuser in der Hafenstraße zu überfallen, wo 600 Linke und Autonome zum Schutz der Häuser bereitstanden. Die Polizei hielt die Rechten in stundenlangen Straßenschlachten von ihrem Vorhaben ab.

Die Polizei kündigt in ihrer Pressemitteilung an, sie sei „für Krawalle bei der Feier gerüstet“.1Mopo, 2.10.1990, S. 19. 

Die Polizei erwartete für die Nacht zum 3. Oktober 1990 „Krawalle“ und veröffentlichte am 2. Oktober 1990 folgende Pressemitteilung unter der Überschrift „Die Polizei ist für Krawalle bei der Feier gerüstet“:

„Rund 1500 Polizisten stehen heute mit zehn Wasserwerfern und gepanzerten ‚Sonderwagen‘ bereit, um mögliche Krawalle bei den Feiern zur Deutschen Einheit zu verhindern. Die Einsatz-Schwerpunkte der von Landespolizeidirektor Hein Krappen geführten Verbände der Bereitschaftspolizei und des Bundesgrenzschutzes sind der Rathausmarkt, die St. Pauli Haftenstraße und Altona.“

„Die Polizei ist für Krawalle bei der Feier gerüstet“, in: Mopo, 2.10.1990, S. 19.

Damit ist Hamburg die einzige Stadt, in der die Polizei sich gezielt und in entsprechendem Ausmaß auf politische Gewalt in der Nacht zum 3. Oktober 1990 vorbereitet zu haben scheint. Es ist jedoch unklar, von welcher Seite die Polizei Gewalt erwartet hat. Die benannten „Einsatz-Schwerpunkte“ sind zumindest teilweise Orte autonomer Gegenkultur und autonomen Protests.

Am Abend des 2. Oktober 1990 feierten Neonazis in Hamburg die „Einheit“ auf dem Rathausmarkt. Dort kam es laut Hamburger Abendblatt zu „einige[n] wenige[n] Schlägereien, angezettelt von ewig Gestrigen und Gewalt-Fetischisten“. Vor der Programmbühne am Rathausmarkt entrollte während der Rede von Bürgermeister Henning Voscherau eine Gruppe von über 20 Neonazi-Skins und ‑Hools die Reichskriegsflagge, warf Gegenstände und skandierte rechte Parolen. Die Polizei nahm circa 12 Neonazis fest.2Hamburger Abendblatt vom 3.10.1990, S. 6f.; Mopo vom 4.10.1990, S. 10; Hamburger Abendblatt vom 4.10.1990, S. 3 und 5.

Die linke Konzertveranstaltung „Die widerliche Vereinigung“ in der Fabrik in Hamburg-Altona wurde kurz vor Mitternacht abgebrochen und die rund 500 Besucher:innen aufgefordert, sich in Richtung Hafenstraße, Reeperbahn und Flora zu begeben, wahrscheinlich um Angriffe von Neonazis abzuwehren.3Hamburger Abendblatt vom 3.10.1990, S. 6 f. Mindestens 600 Leute befanden sich so teils mit Knüppeln bewaffnet in der Hafenstraße, um die Häuser zu schützen. Auch um die Rote Flora hatten sich Unterstützer:innen versammelt.4„Gewalt blieb auf der Strecke“, in: Hamburger Abendblatt, 4.10.1990, S. 7.

Tatsächlich versuchten kurz vor 1 Uhr nachts circa 75 aus einer Gruppe von insgesamt 300 Neonazi-Hools und ‑Skins, die besetzten Häuser in der Hafenstraße anzugreifen. Sie waren mit Flaschen, Steinen und Signalpistolen bewaffnet und setzten diese Waffen auch gegen die Polizeikräfte ein, die den Zugang in der Friedrichstraße nahe der Hafenstraße abriegelten. Die Polizei drängte die Angreifer:innen ab. Ebenfalls gegen 1 Uhr griffen Rechte einen Spielsalon auf der Reeperbahn an. Bis 3 Uhr nachts versuchten Neonazi-Gruppen immer wieder in Richtung Hafenstraße vorzudringen und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei.5„Gewalt blieb auf der Strecke“, in: Hamburger Abendblatt, 4.10.1990, S. 7.

In der Nacht kam es zudem zu rassistischen Hetzjagden auf Migrant:innen. Dabei riefen Neonazis: „Deutsche wehrt euch, geht nicht zu St. Pauli!“6Hamburger Abendblatt vom 4.10.1990, S. 7; Mopo vom 4.10.1990, S. 10.

Insgesamt wurden an dem Abend mind. 41 Personen festgenommen.7„Gewalt blieb auf der Strecke“, in: Hamburger Abendblatt, 4.10.1990, S. 7; „‚Sieg Heil‘-Rufe in Schwerin“, in: Frankfurter Rundschau, 4.10.1990.

Das Hamburger Abendblatt berichtet unter der Überschrift „Gewalt blieb auf der Strecke“, dass 2000 Polizist:innen Hunderte von Neonazis und Hooligans über Stunden daran hinderten, zu den besetzten Häusern vorzudringen, wo 600 Autonome bewaffnet bereitstanden, um die Häuser zu schützen.8„Gewalt blieb auf der Strecke“, in: Hamburger Abendblatt, 04.10.1990, S. 7.